Du bist, was Du isst. Wie wichtig unsere Ernährung für unsere körperliche Gesundheit ist, wissen wir. Vielleicht halten wir uns nicht immer streng daran, aber dass wir viel Obst und Gemüse essen sollten, um unser Immunsystem zu stärken, und weniger Zucker, das haben wir gelernt.

Aber wie stärken wir unser mentales Immunsystem?

Das mentale Immunsystem
Viele Menschen sind in der Corona-Krise zum ersten Mal mit dieser Frage konfrontiert, denn wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, die niemand von uns zuvor erlebt hat. Der fehlende soziale Kontakt nach außen, die (zu) große Nähe in den eigenen vier Wänden, neue Arbeitsformen, Existenzängste und eine übergroße Flut an Nachrichten stellen uns vor eine neue Herausforderung. Wir müssen uns deshalb auf die Suche begeben und uns fragen, wie wir auch mental gut durch die Krise kommen. Dabei gilt für unsere psychische Gesundheit genau wie für den Körper: Das, was wir konsumieren, ist essentiell für unser Wohlbefinden. Nicht alles, was gut schmeckt, ist auch gesund. Und Verlockungen lauern überall.

Die richtige mentale Ernährung
Es gibt viele Parallelen zwischen der körperlichen und der mentalen Gesundheit. Und genau das können wir uns jetzt zunutze machen, um einen gesunden Umgang mit Nachrichten, Gerüchten und Informationen zu entwickeln, der unser mentales Immunsystem stärkt. Ich unterscheide hierbei fünf Kategorien:

1. Persönliche Gespräche
Das Obst und Gemüse unserer mentalen Ernährung sind all die Informationen und Gespräche, die nicht nur kurzfristig, sondern auch im Nachhinein ein wohliges Gefühl in uns erzeugen. Das sind in der Regel persönliche Gespräche mit Menschen, die uns nahestehen. Der Ausdruck von Verbundenheit, das gemeinsame Pläneschmieden für die Zeit nach der Krise, alles, was verbindet. Denn unser Körper schüttet während solcher positiver Dialoge Oxytocin aus, ein Hormon des Körpers, das uns ein Gefühl von Geborgenheit gibt und Stress reduziert. Das hellt nicht nur unsere Stimmung auf, es macht sogar unseren Körper widerstandsfähiger. Idealerweise führen Sie diese Gespräche persönlich. Wenn diese Gespräche aktuell nur per Telefon oder Video möglich sind, bleibt zumindest ein Teil der Wirkung ebenfalls erhalten. Wenn Sie jeden Tag mindestens ein solches Gespräch führen, und sei es auch nur für fünf Minuten, haben Sie bereits sehr viel für Ihr mentales Immunsystem getan.

2. Nachrichten
Die zweitwichtigste mentale Nahrung sind Informationen zur aktuellen Situation. Diese Nachrichten sollten Substanz haben, damit Sie Ihnen die notwendige Orientierung in der aktuellen Lage geben. Sie sind quasi die Kartoffeln in ihrem mentalen Ernährungsplan. Es geht wohl gemerkt um Nachrichten, die dazu dienen, dass Sie sich ein Bild machen und eigene Entscheidungen treffen können. Nicht gemeint sind reißerische Schlagzeilen und Gerüchte per WhatsApp, die wie Kartoffelchips für einen kurzfristigen Kick daherkommen und Sie hungrig und ratlos zurücklassen.

3. Unterhaltung und Humor
Die leichte Kost unter den Inhalten ist wie der Salat: Wir können uns sicher nicht ausschließlich von ihm ernähren, aber er tut uns gut und macht uns leicht. Filme, Hörbücher und Serien, die uns kurzzeitig in eine andere Welt entführen und abschalten lassen, sind daher im Mix der gesunden Inhalte unbedingt enthalten. Es geht um jeglichen Inhalt, der Sie zum Lächeln, Schmunzeln und Lachen bringt. Denn Lachen stärkt unsere Psyche und unsere körperliche Gesundheit gleichermaßen.

4. Klatsch und Tratsch
Auch in der Krise haben wir das Bedürfnis, uns mit Menschen auszutauschen, Gerüchte zu teilen und uns über andere aufzuregen. Der Ärger braucht gerade in Zeiten der Krise auch seine Kanäle. Klatsch ist daher vergleichbar mit Schokolade, ab und zu muss sie einfach sein. Aber der positive Effekt ist nur von sehr kurzer Dauer, und im Nachhinein geht es uns leider oft schlechter als vorher. Achten Sie daher darauf, dass Sie Gespräche wieder in wohlwollendere und optimistischere Bahnen lenken, wenn Sie sich einmal so richtig in Rage getratscht haben. Und lehnen Sie Klatschangebote genau wie ein Stück Schokolade ruhig einmal höflich ab, wenn Sie auf Ihre mentale Gesundheit achten wollen.

5. Dankbarkeit und Stille
Die fünfte Nahrungskategorie für Ihr mentales Immunsystem ist vergleichbar mit den lebenswichtigen Vitaminen, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren für Ihren Körper –  sie wirken im ersten Moment unbedeutend klein, aber sie vollbringen wahre Wunder! Es geht um sämtliche Inhalte, die mehr Dankbarkeit und Achtsamkeit in Ihr Leben bringen. Das können geführte Meditationen sein, positive Gedanken oder Momente der inneren Stille. Bauen Sie diese Elemente ganz bewusst in jeden Tag ein. Dafür reicht es schon, sich am Abend regelmäßig zu fragen: „Was war heute besonders schön, wofür bin ich heute dankbar?“ Schreiben Sie diese Dinge am besten auf. Sie werden sehen, schon nach wenigen Tagen haben Sie eine Sammlung schöner Momente, die Sie immer wieder hervorholen und unmittelbar Ihre Stimmung aufhellen können, sollten Sie doch einmal in einem emotionalen Tief stecken.  

Disziplin und ab und zu eine Ausnahme
Wie bei der gesunden Ernährung gilt: Der Erfolg kommt nicht durch das Wissen, sondern durch das Machen. Probieren Sie aus, was Sie für sich gut umsetzen können. Und fragen Sie sich vor dem Konsum sämtlicher Inhalte: „Was brauche ich jetzt? Und wie werde ich mich voraussichtlich fühlen, nachdem ich diese Inhalte gesehen, gelesen oder gehört habe?“ So fällt es Ihnen leichter, den Versuchungen im Alltag zu widerstehen und das auszuwählen, was Ihnen langfristig wirklich guttut. Es ist Disziplin erforderlich, aber sie lohnt sich – und ab und zu darf man ja mal schwach werden und zu den Süßigkeiten greifen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für diese Zeit,
Ihre Wibke Dauletiar

Wenn Sie sich für den konstruktiven Umgang mit Krisen und Veränderungen interessieren, lesen Sie gerne auch Eine kleine Geschichte von der Veränderung. Bei Interesse an einer persönlichen Beratung finden Sie das entsprechende Coachingangebot von LaCoach hier.

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